Slow Business & Climate (Tech)

Ich wende mich heute auf Deutsch an euch. Denn ich schreibe diesen Artikel nicht für die große Masse, die ihn über Google findet, sondern für den engsten Teil meines beruflichen Netzwerkes. Und der ist nun mal deutschsprachig.

Slow Business

Slow Business ist Teil des Slow Moevements (Siehe auch Slow Food, das kennt man vielleicht). Mein initialer Impuls zum Thema Slow Business kam von Katrin Rönicke (Gründerin Podcast Label hauseins) auf der #rp18:

Hinter Slow Business steht die Grundeinsicht, dass im manche Dinge einfach Zeit brauchen. (“Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht.” ). Zusammengefasst kann Slow Business sozusagen als Gegenentwurf zum Struggle-Porn der Startup-Welt verstanden werden, in der aus Angst vorm Scheitern bis zum Burnout geschuftet wird.

Eine grundsätzlichere, vollumfänglichere Definition davon findet sich im Slow Business Manifesto, einem der ursprünglichsten Posts, die ich dazu finden konnte.

Eine Metapher von Katrin bringt es ganz besonders schön auf den Punkt: Das Unternehmen sollte ein “Happy Place” sein. Ein Ort, an dem das Arbeiten und Problemlösen Spaß macht, wo man zu seinen Werten stehen kann, wo man nicht unter- und nicht über-fordert wird, wo man sich die Zeit nehmen kann um Dinge richtig und durchdacht zu machen.

Hier ist wichtig zu betonen, dass ich “Slow” nicht im deutschen Sinne von “langsam” interpretiert sehe, sondern eher im Sinne von “bedacht”, also zur richtigen Zeit. Also irgendwie auch schon wieder “agil” – was ja auch nicht direkt mit “schnell” gleichzusetzen ist.

Dies impliziert, voll und ganz hinter dem zu stehen, was man macht – und nicht nur kurzfristig auf Profit zu optimieren. Weil langfristig kommt der Profit von alleine, wenn man ein wichtiges und dringendes Problem löst.

So eignet sich Slow Business dadurch auch gerade für Menschen, die sich schon eine (gewisse) Stabilität erarbeitet haben, z.B. weil sie einen festen Job haben oder regelmäßig als Freelancer gebucht werden, diese allerdings nicht aufgeben können oder wollen, z.B. wegen Familie, Kinder, Immobilienkredit oder da sie zur Gruppe der hochsensiblen Personen gehören.

Corona = Digitalisierung

So – nun etwas Kontext, warum mir das Slow Business Thema gerade jetzt relevant vorkommt.

Corona war ein full stop und hat überall Geschwindigkeit raus genommen. Auch in der Startup Szene. Überall ist Verunsicherung und ich hab auch das Gefühl, das auf absehbare Zeit niemand langfristige Entscheidungen trifft. Solange Kinder nicht in Kitas und Schulen gehen und Einkaufszentren geschlossen haben, wird niemand Normalität spüren.

Das bringt also vermutlich noch auf absehbare Zeit genug Zeit mit sich, um sich mit dem “Danach” zu beschäftigen. Vielleicht ist das sogar der einzige Hebel, um die jetzige Situation zu transzendieren.

Dabei macht es mir auf der einen Seite Hoffnung, wie wir als Deutsche kollektiv reagiert haben. Es bereitet mir allerdings auch Sorgen, wie sehr sich Nationalstaaten nun voneinander abgrenzen.

Grundsätzlich kann dies allerdings auch als Chance für digitale Lösungen gesehen werden, denn diese können grenzübergreifend gedacht werden. (Und in Bereichen wie remote Kollaboration haben wir nun in ein paar Wochen ganze Jahrzehnte des Versäumens nachgeholt.)

Klima = Problem

von Statistically Insignificant (@statisticallycartoon)

Damit kommen wir zum nächsten Thema: Klima. Leider eine noch größere Thematik als Corona – auch wenn derzeit dafür Aufmerksamkeit und Fundraising schwierig ist.

Vielleicht wirft uns Corona in hier sogar noch weiter zurück, weil wichtige Investitionen ausbleiben. Dabei ist die Klima Thematik noch fieser als Corona, denn dafür stoppt die Welt nicht, man kann hier nicht “das Ruder herumreisen”.

Die digitale Chance aufgreifend, sehe ich hier Geschäftsmodelle in einem Sweet Spot, der Unternehmen Geld – und der Welt CO2 spart:

  • Unternehmer müssen verstehen, wie viel co2 sie emmitieren. Auch durch ihre Dienstleister. Um bewusst andere Entscheidungen zu treffen. Ich frage mich: Braucht ein Unternehmen dafür eine Dokumentation, wie für die GDPR? Sind evtl. sogar aktive KPI möglich?
  • Programmierer müssen verstehen, ob ihre Algorithmen CPU – Zeit verbrennen und ob ihre Server leerlaufen. Ich frage mich: Wie können diese entsprechend incentiviert werden, hier richtige Entscheidungen zu treffen.

Alles zusammen = Chance

Corona reduziert also die Geschwindigkeit, erhöht aber auch die Verunsicherung. Deshalb benötigt es nun stabile Denkmodelle mit langfristigen Zielen.

Jetzt im Bereich Climate / Green Tech etwas zu gründen, ist vermutlich für eine Mainstream Adaption vielleicht sogar noch zu früh. Aber damit ist es genau das richtige Thema, um es als stabiles Slow Business zu etablieren.

Bleibt mir nur noch die Frage: Wer gründet mit mir ein Slow Business im Climate Tech Kontext? Ich bin bereit.

Call to Action!

Wenn du, der mich offensichtlich schon länger kennt, sich nun angesprochen fühlt – melde dich! Ansonsten vernetze mich bitte, mit Menschen in deinem Netzwerk, die ähnlich über die Thematik nachdenken – oder vielleicht sogar gerade schon in dem Bereich gründen.

Wenn du mich noch nicht kennst und aufgrund einer solchen Vernetzung hierher gekommen bist, ein kurzer Pitch:

Ich bin ein CTO und kann voll remote arbeiten, habe Verständnis von Business Models, Technology und Produkt, kann skalierende Websites, Apps, APIs und ganze Entwickler-Teams bauen. Ich bin ein Aufbau Typ für eine Aufbau Zeit – sprecht mich an: kb@v01.io.

Wir überschätzen immer den Wechsel, der in den nächsten zwei Jahren geschehen wird und unterschätzen den Wechsel, der in den nächsten 10 Jahren passieren wird.

Bill Gates

Published by Klaus Breyer

a CTO and Startup Founder/Advisor, living in Berlin.

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