Phase 3: Prototyping digitaler GeschĂ€ftsmodelle đŸ‡©đŸ‡Ș

Heute zeige ich, wie am besten ein GeschĂ€ftsmodell als Prototyp entwickelt wird. Ziel ist möglichst frĂŒh möglichst viele Erkenntnisse zu erlangen und nicht 6 Monate im Keller vor sich hin zu arbeiten, bis man ein GeschĂ€ftsmodell zum ersten mal auf den Markt loslĂ€sst – oder noch schlimmer: Gar nicht erst anfĂ€ngt. 

Wertschöpfung

Bevor sich nun mit einer konkreten Produktidee oder Implementierung befasst wird, muss erst mal der Kern der Wertschöpfung klar herausgearbeitet werden. Da gibt es zwei AnsÀtze:

Mit dem Kunden beginnen

Wird einen Bedarf im Markt erkannt, kann sich genauer mit dem Problem befassen werden – auch ohne das man vielleicht schon die Lösung dazu kennt.

Mit der Idee beginnen

Es ist genauso valide, einfach eine gute Idee zu haben oder einen technologischen Breakthrough geschafft zu haben und sich anschließend zu ĂŒberlegen, auf wen die Idee passt. Die Idee sollte sich allerdings auf die Wertschöpfung konzentrieren..

Richtig: “Wir möchten Unternehmen mit Bloggern vernetzen”

.. und nicht auf eine konkrete Implementierung

Falsch: “Oh hier machen wir eine App und die Nutzer kommen von ganz alleine”

Um den Kunden und die wertschöpfende Idee in Kontext zu setzen, eignet sich ein Tool wie Value Proposition Canvas*. Es hilft einem, sich auf den Kern zu fokusieren.

Egal von welcher Seite dies angegangen wird – wichtig ist, dass am Ende die Leistung auf den potentiellen Kunden passt.

Value Proposition Canvas

GeschÀftsmodell

Ist die Wertschöpfung klar, sollte auch schon grob ĂŒberlegt werden welche Partner und Ressourcen benötigt werden, ĂŒber welche KanĂ€le Kunden akquiriert werden, welche Kosten entstehen und wie Geld verdient wird.HierfĂŒr ergĂ€nzt das Business Model Canvas* perfekt das Value Proposition Canvas. (Kommt ja schließlich auch beides aus dem Hause Strategyzer.)

Business Model Canvas

Hypothesen aufstellen

Existiert nun eine prototypische Idee, potentielle Kunden und schon grobes GeschĂ€ftsmodell mĂŒssen diese Annahmen getestet werden.
Aus jeder Annahme die auf dem Value Proposition Canvas und des Business Model Canvas getroffen wurde, gilt es nun eine Hypothese zu extrahieren.

  • Wurde angenommen, dass Unternehmen sich mit Bloggern vernetzen möchten, um ihr Image zu verbessern, könnte eine Hypothese beispielsweise lauten: “Unternehmen möchten sich mit Bloggern vernetzen um ihr Image zu verbessern.”
  • Eine andere Hypothese könnte lauten: “Blogger möchten sich mit Unternehmen vernetzen, um ihre komplette Lebenshaltungskosten zu verdienen.”

Am Ende bestehen eine ganze Liste von Annahmen. Um nicht alle auf einmal zu testen, werden diese nach PrioritĂ€t sortiert. Sollten sich wichtige Annahmen als falsch herausstellen, mĂŒssen weniger wichtige vielleicht gar nicht mehr getestet werden.

Experimente ĂŒberlegen

Bestehen Hypothesen, so mĂŒssen diese als nĂ€chstes getestet werden.
Um die These “Unternehmen möchten sich mit Bloggern vernetzen um ihr Image zu verbessern” zu verifizieren könnte eine Google AdWords Kampagne rund um die Suchbegriffe “Blogger Relations Image” aufgesetzt werden. Die These könnte bestĂ€tigt werden,, wenn beispielsweise mindestens 2% der Suchenden auf die Werbeanzeige klicken. Wichtig ist, dass das Erfolgskriterium vorher festgesetzt wird – ansonsten wird das Ergebnis nur interpretiert.

Nach der Auswertung werden die Canvas-Annahmen verbessert und fĂŒr die neuen Annahmen neue Hypothesen formuliert. Die Annahmen können immer konkreter werden.

Bei digitalen GeschĂ€ftsmodellen kann auch schon recht frĂŒh eine einfache Landing-Page aufgesetzt werden, um zu testen wie viel potentielle Kunden bereit sind zu bezahlen. Erkenntnisse daraus fließen dann wieder zurĂŒck in euer GeschĂ€ftsmodell.

Dazu eignet sich eine Beta-Anmeldung oder eine Umfrage. Je konkreter die Call To Actions sind, desto aussagekrÀftiger die Messwerte.

Wir haben doch keine Zeit

So wird StĂŒck fĂŒr StĂŒck die Theorie auf dem Canvas getestet, anschließend ob fĂŒr die angebotene Lösung ĂŒberhaupt ein Markt da ist und schlussendlich sogar wie das komplette Business mit allen weiteren Akteuren (Angestellte, Partner, Dienstleister) aufzogen wird.
TatsĂ€chliche Leistung wird erst erbracht, wenn zahlende Kunden dafĂŒr existieren.
Bei einem solchen Ansatz wird nicht nur das eigene Risiko und Investment minimiert, sondern ein GeschÀftsmodell direkt am lebenden Markt und unter realitischen Marktbedingungen getestet.

Am Ende nur noch ein Tipp: Verschwendet nicht zu viel Zeit mit nachdenken. Macht lieber. Der Aufwand fĂŒr die erste Iteration und bis zu ersten Erkenntnissen dauerte bei meinem aktuellen Projekt lediglich 3 Manntage – ist also innerhalb einer Woche gut durchzuziehen – und bewahrt einen davor noch weitere 2 Monate einer fiktiven Idee hinterherzurennen.

Hauptsache keine Zeit verlieren. Das geht ĂŒbrigens auch ganz ohne fancy Whiteboards am eigenen Esstisch. An was genau ich da gearbeitet habe, erzĂ€hle ich ein anderes mal – wenn die Experimente erfolgreich waren.

Wie testet ihr eure GeschĂ€ftsmodelle?

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