Digitaler Wandel: Keine Vorreiter, sondern Außenseiter đŸ‡©đŸ‡Ș

Dieser Beitrag ist eine Antwort auf Blogparade: “Ist Digitalien eine Insel?” Bauen wir doch ein paar BrĂŒcken!

Falsches SelbstverstÀndnis

Zuerst möchte ich etwas zurĂŒck rudern. Ich finde, dass die Problematik heißer gekocht als gegessen wird. Gesamtgesellschaftlich ist digitale Kommunikation und die BeschĂ€ftigung mit dem Internet an und fĂŒr sich weit weniger wichtig, als wir denken. Das ist schwer einzusehen, denn fĂŒr uns ist es omniprĂ€sent und die meisten, die das hier lesen, werden ihre Existenz auf die eine oder andere Art darauf begrĂŒnden. Aber wir sind weniger und wir sind unwichtiger als wir selbst glauben.

Schaut man mal in den Bundestag: Wir leben in einer reprĂ€sentativen Demokratie, weshalb ich davon ausgehen muss, dass die Menschen, die dort sitzen reprĂ€sentativ fĂŒr Deutschland als Gesellschaft sind. Und wir sind nun mal ein christlich geprĂ€gtes, konservatives und hart arbeitendes Land. Das muss man verstehen. Und einsehen. Ein Großteil der Menschen möchte in erster Linie seine Existenz gesichert wissen. Denen braucht man gar nicht mit netzpolitischen Themen kommen, wie sie uns am Herzen liegen. Man wĂŒrde sie aus einer Fremden Galaxie ĂŒberfallen.

TrÀgheit der Masse

Max Planck hat sehr schön ausgedrĂŒckt: VerĂ€nderungen in der Gesellschaft setzen sich nicht unbedingt durch, indem Skeptiker ĂŒberzeugt werden, sondern indem die nachwachsende Generation wie selbstverstĂ€ndlich von vornherein das Neue macht.

[blockquote source=”Wissenschaftliche Selbstbiographie, Leipzig 1948. Max Planck”]Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner ĂŒberzeugt werden und sich als belehrt erklĂ€ren, sondern dadurch, dass die Gegner allmĂ€hlich aussterben und dass die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist. [/blockquote]

Und die Ironie daran: FĂŒr ihn selbst galt das in spĂ€teren Jahren auch. Und fĂŒr uns wird es auch gelten, wenn wir mal an dem Punkt angelangt sind, an dem die Gesellschaft fĂŒr uns persönlich digital transformiert ist. Wenn nur noch Menschen leben, die so kommunizieren wie wir heute in unseren 20ern und 30ern, dann werden wir “die Alten” sein und die neue Jugend wird nicht verstehen wieso wir noch in WhatsApp tippen, wenn man sein Gehirn dann auch direkt ans Internet anstöpseln kann.

Und wir sehen es ja schon heute: Selbst hochgradig digitalaffine Menschen, zu denen ich mich selbst zĂ€hle, verstehen nicht vollstĂ€ndig, was gerade mit der Jugend und Youtube abgeht. Youtube wird zum Abenteuerspielplatz, der kein Platz fĂŒr die Eltern hat. Dort drĂŒckt die Jugend von heute sich mit einem ganz neuen SelbstverstĂ€ndnis aus.

Beschleunigung der Spezialisierung

Auch wenn die breite Masse sich nur sehr trĂ€ge digitalisiert, lĂ€sst sich nicht leugnen, dass wir zu diesem Zeitpunkt insgesamt den krassesten technologische Fortschritt in der Menschheitsgeschichte haben.

Durch das Internet entstehen in bestehenden Branchen ganz neue Spezialisierungen: HĂ€user werden automatisiert und Autos vernetzt. Und durch die Erfahrung und RĂŒckfĂŒhrung dieser vielen kleinen Innovationen wird dann doch der gesamtgesellschaftliche digitale Wandel vorangetrieben.

Eigentlich ist es doch gar nicht so schlimm

Auch wenn wir nicht zufrieden sind, sind wir doch in einer ziemlich bequemen Position. Wir waren zum richtigen Zeitpunkt wach genug, um auf der Welle des digitalen Wandels mitzusurfen. Wir beobachten, wie um uns herum GeschĂ€ftsmodelle durch diesen digitalen Wandel aufgewirbelt werden oder sind gerade selbst fleißig dabei, aufzuwirbeln. Egal ob wir Programmieren, eine Community managen, designen oder einfach nur unsere Gedanken teilen.

Oder wir haben einfach nur Spaß, den ganzen neuen heißen Scheiß zu benutzen.

Hallo Zukunft, wir sind schon da.

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