Wo das Web stattfindet – Heute und in Zukunft ­čçę­čç¬

Oft wird das Internet und das Web in einen Topf geworfen.

Grunds├Ątzlich ist das (World Wide) Web, der Teil vom Internet, welcher mit www beginnt. Also Internetseiten welche man mittels einem Webbrowser konsumiert. Und dann gibt es noch native Apps, die direkt mit ihrem Service interagieren, ohne Browser.

Das Web ist der wichtigste Teil des Internets, da hier offene Standards wie HTML5 regieren. So gut wie jeder Service hat eine Weboberfl├Ąche. Da die komplette Logik serverseitig liegt, kann man sich von ├╝berall einloggen und man befindet sich sofort wieder im zuletzt verlassenen Zustand. Gleiche Notizen und gleiche Playlists ├╝berall. E-Mails die man gelesen hat sind auch wirklich ungelesen.

Durch moderne Browser und HTML5 kann auch endlich alles im Web stattfinden, was vorher nativen Clients vorbehalten war. Google strebt 90% des Office-Marktes an – im Web! Und sie sind auf einem guten Weg. Ohne H├╝rde kann man den Dienst ├╝berall nutzen: Auf dem Desktop, auf dem Laptop und auf jedem Smartphone. Und bei einem neuen Betriebssystem, z.b. Windows 8, auf dem Smartphone, muss man nicht warten, bis eine App erscheint oder eine Software aktualisiert wurde.

Wir werden immer unabh├Ąngiger von Hardware und Betriebssystemen. Der Browser ist das Betriebssystem. Das Risiko liegt in der Cloud. Und nicht auf einer Festplatte, welche 2 Wochen vor Abgabe der Diplomarbeit das zeitliche segnet. Kein Akku- oder Stromausfall, keine nicht gespeicherten Daten.

Man sieht dies auch schon an den Systemen die auf den Markt dr├Ąngen. Google hat mit seinem Chrome OS schon seit l├Ąngerem ein Betriebssystem, welches nur aus dem gleichnamigen Browser besteht. Mit dem Chromebook Pixel gibt es jetzt ein Ger├Ąt, welches das hochaufl├Âsendste Display aller Zeiten mit LTE kombiniert. Keine Betriebssystem-Layer, die alle unn├Âtig konfiguriert werden m├╝ssen und Exploits bieten. Das Chrome OS scheint unhackbar.

Seit einiger Zeit arbeite ich fast ausschlie├člich mit einem minimal aufgesetzten OSX. Hier mein Dock in Originalgr├Â├če:

Alles ist in Chrome: Auf Arbeit. Zuhause. Gleiche Shortcuts, gleiche Daten, keine Synchronisierungskonflikte. Evernote und Spotify sind Luxus, der Bedienung wegen. Keynote und Textmate sind die einzigen Dinge, welche ein Betriebssystem ben├Âtigen. Alternativen im Web gibt es (Google Drive Slides und Cloud9), aber die sind noch nicht so weit.

Firefox verfolgt mit dem Firefox OS einen ├Ąhnlichen Ansatz, allerdings f├╝r Smartphones. Ein mobiles Betriebssystem und eben haupts├Ąchlich ein Browser. Die Apps dort sind im Web und nicht in einem kontrollierten Store. Immerhin hat Firefox schon mal das Netz gerettet, als sie mit dem Firefox einen diversifizierten Browsermarkt erm├Âglichten.

Wir erleben im Desktop-Browser gerade in Fast-Forward die Betriebssystem-Evolution der letzten 20 Jahre. Sicherheit, Erweiterbarkeit, 3D, Performance. Und die Smartphone-Browser beginnen das gleiche nochmals in noch viel schneller durchzumachen.

Native Apps werden immer obsoleter, das Netz wird von keinem Appstore kontrolliert. Das iPad hat mit dem HTML5-Push zwar Flash beerdigt, aber durch den offenen Standard viele Konkurrenten auf den Plan gerufen. Und das ist gut so. Ich will ein Chromebook Pixel.

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6 Comments

  1. Wollte schon die Mail l├Âschen die mich auf den neuen Post hingewiesen hat. Dachte es sei Spam. Konnte mich nicht mehr an Mobizzle erinner. Doch irgend was hat mich dann doch dazu bewegt draufzudr├╝cken ­čÖé Sch├Ân, dass es hier weiter geht!

    Bei mir spielt auch sehr viel im Browser ab. Allerdings ist mir eine native Anwendung lieber — am besten eine, die ein standardisiertes Format liest und erzeugt. Hab gerne die Kontrolle ├╝ber meine Daten. W├╝rde fast behaupten, der Browser ist der Shell des 21. Jahrhunderts.

  2. Native Apps sind ein geschlossenes System und auf einzelne Betriebssysteme optimiert. Der Webbrowser interpretiert den offenen Standard. Und kann unabh├Ąngig von Betriebssystemen und deren Updatezyklen immer funktionieren.

    Seit wann pochst du auf ein geschlossenes, plattformgebundenes, System? ­čÖé Ein universeller Standard ist unabh├Ąngig von der Frage nach nativen Apps glaube ich sinnvoll.

  3. Ich glaube ich sehe das nicht ganz so schwarz/wei├č wie du. Die JavaVM, ein VT100-Kompatibles Terminal oder OpenGL sind f├╝r mich gleichbedeutend wie Webbrowser. Sie machen einen Standard ├╝berall verf├╝gbar. Wichtig ist mir dabei nur, was mit den Daten passiert (welches Format, wo werden sie abgelegt, komme ich sp├Ąter da noch dran, sind sie kompatibel mit anderen Tools, …) Ob das Tool nun als Webanwendung umgesetzt ist oder als natives Programm ist mir dann meist egal. Allerdings ist mir die Reaktionszeit des Programms schon wichtig. Und wenn die von meiner Internetverbindung oder von einem ├╝berlasteten Webserver abh├Ąngt, dann geht mir das schon ziemlich auf den Zeiger. Ich habe hier readline wirklich sch├Ątzen gelernt. Man braucht keine visuelle Best├Ątigung mehr, readline macht das schon ­čÖé

  4. Das ist Bl├Âdsinn. Native Apps sind per se eben so wenig ein geschlossenes wie webapps ein offenes System.

    Was bringt dir dein universeller Standard, wenn er nur die Repr├Ąsentation betrifft? Kommt man damit an die Daten? Nein – Und selbst der universelle Standard ist Utopie, oder hast du mal versucht Webseiten auf dem Handy zu lesen?

    Aber gut, Web ist mehr als HTML. Da w├Ąre noch HTTP. Super, dann wei├č ich wie Pr├Ąsentation ├╝bertragen wird, aber immer noch nicht wie die eigentlichen Daten aussehen. Mal versucht Gmail zu parsen um zu wissen ob du neue Emails hast? Dabei von offen zu reden bringt mich auch nicht weiter.

    Es mag wohl im Web die M├Âglichkeit geben Daten offen zu gestalten. Zum Beispiel ├╝ber API’s. Aber die sind bei weitem nicht ein universeller Standard. Im Gegenteil: Es wird versucht sich ├╝ber eine m├Âglichst andere API abzugrenzen (Auth, URLs, Datenformat, verf├╝gbare Daten). Nicht, dass jemand in der selben App auch noch die Konkurrenz mit unterst├╝tzt.

    Auf der anderen Seite native Apps. Genau die selbe Problematik. Aber was du verkennst: Auch hier gibt es Standards. Gerade wenn man sich auf einem OS bewegt. Nehmen wir Linux. DBus erm├Âglicht IPC. Es gibt Standards f├╝r Passwortverwaltung, ablegen von PIM Zeugs, Kommunikation, Metadaten, … Klar ist dies auf Linux beschr├Ąnkt. Macos, Windows, Android, .. haben ihre eigenen Standards. Ebenso wie das Web auf seine eigenen Standards beschr├Ąnkt ist.

    Ich finde Webapps kann man gut mit CLI Apps vergleichen. Sie produzieren ein universelles Ausgabeformat (HTML vs Text). Sie haben eine standardisierte ├ťbertragung (HTTP vs STDIN/OUT). Und doch sagt beides nichts ├╝ber die Verf├╝gbarkeit der eigenen Daten aus.

    Offen ist, wenn ich entscheiden kann was ich mit meinen Daten mache. Wenn ich heute meine Daten aus StudiVZ eins zu eins nach Facebook und morgen von Facebook auf ein eigenes System verschieben k├Ânnte – ohne Nachteile zu haben. So als w├╝rde ich IMAP-Clients tauschen. Aber ob es jemals so weit kommen wird?

  5. Ja, da hast du schon mit vielem Recht. Man muss aber auch bedenken, dass es ein Zukunftsausblick ist. Mobile Web ist kr├Ąftig am kommen und funktioniert immer ├Âfter.
    Windows 8 Apps und Firefox OS Apps schreibt “nativ” man in HTML und CSS. Bei Windows 8 braucht man nur leider einen Store drumrum, um ranzukokmmen..

    Wieso willst du eigentlich den Sourcecode von Gmail zerlegen? Daf├╝r gibt es doch die entsprechende API. ├ťberhaupt, gibt es ├╝berhaupt heute noch einen relevanten Dienst ohne API? ­čÖé

  6. Was ich sagen wollte: Standardisiert ist nur die Anzeige und ├ťbertragung. Beides hilft nicht um an die Daten ran zu kommen. Und wenn es eine API gibt, ist diese nicht standardisiert.

    Selbst wenn alle Dienste API’s h├Ątten, kommt man damit bei weitem nicht an alle Daten. Immer nur so weit, wie es das Gesch├Ąftsmodell nicht gef├Ąhrdet.

    Um es etwas provokant zu formulieren: Was ist der konkrete Vorteil von HTML/CSS?

    * Es funktioniert ├╝berall? Nein. Man muss tausend Anpassungen machen f├╝r Browser, Mobile Phone, Tablet, Windows Store, … Da einerseits HTML5 nicht alles relevante abdeckt und andererseits die Bedienkonzepte so unterschiedlich sind. Selbes UI f├╝r Touch und Mouse? Ich wei├č nicht…
    * Es ist standardisiert? Ja, so gro├čteils. Das hilft mir wohl, wenn ich ein Browser schreibe – aber sonst? Die meisten Webseiten ist so durchsetzt mit JS, dass der Code ohnehin kaum verarbeitbar ist (sie GMail Beispiel).

    Ich mein klar, alles ist besser als Flash. Aber ich seh den Zusammenhang von HTML/CSS und offenen Systemen nicht. Im Gegenteil: Konnte man fr├╝her zumindest noch Dateien ├Âffnen und Netzwerk sniffen um herauszubekommen was eine App macht, ist man mit Webseiten vollkommen den geschlossenen Systemen ausgeliefert. Man hat absolut keine Ahnung was serverseitig mit den Daten passiert.

    Ich sehe das Web ├╝brigens auch als Zukunft: Aber nicht als App sondern als Austauschpunkt verteilter Anwendungen. Nicht ein Google Docs sondern 1000 selbstgehostete Instanzen die miteinander kommunizieren k├Ânnen – ├ähnlich Jabber oder Mail. Das ist f├╝r mich offen.

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